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Degeneration der Opiatrezeptoren, Kann man sich darauf untersuchen lassen?
marsupilami
Beitrag 16.3.2009, 10:14
Beitrag #1


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Der Titel sagt's ja schon. Weiss Einer von den Spezialisten hier, wie es zu einer Degeneration
der Opiatrezeptoren kommt; und gibt es eine medizinische Untersuchungsmethode dafür?

LG,

Marsupilami


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Achimy
Beitrag 20.3.2009, 13:31
Beitrag #2


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Hi Marsupilami,

diese Frage hatten wir erst kürzlich hier im Forum. Ich habe damals dazu folgendes geschrieben:

Im gesunden Menschen bildet das Opioidsystem einen hochkomplexen Mechanismus, der unser Verhalten durch Stimmungen steuert. Die Opioidrezeptoren, die einen ihrer Hauptsitze im mesolimbischen System haben, sind wesentlich dafür verantwortlich, ob wir uns wohl oder unwohl fühlen. Sind wir Stressoren, wie zum Beispiel Schmerz ausgesetzt, bleiben sie unbesetzt, erzeugen Frustrationsgefühle und bringen uns dazu, nach Abhilfe zu suchen - ein Alarmsystem. Hierzu werden körpereigene Morphine, zum Beispiel Endorphine freigesetzt, die das Schmerzempfinden beseitigen und unsere Stimmung heben.

Schmerzstillende Mittel, aber auch viele Drogen wirken dadurch, dass sie die Opioidrezeptoren besetzen und das entsprechende Wohlgefühl künstlich erzeugen.
Nach längerer Therapie kann es vorkommen, dass Opioidrezeptoren zunehmend unempfindlicher für das jeweilige Opioid werden. Sie wirken dann in der gewohnten Dosis nicht mehr ausreichend. Die Mechanismen in der Toleranzentwicklung sind erst zum Teil erforscht. . Damit die Rezeptoren sensibel für das Opioid bleiben, müssen sie ständig auf- und abgebaut werden. Unterschiedliche Mechanismen in Zellinneren und -äußeren sind hierbei beteiligt. Neuere Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass diese Art Recycling nicht immer bei allen Opioiden gleich gut funktioniert. Zudem scheinen Genvarianten von Opioid-Rezeptorgenen mitverantwortlich dafür zu sein, dass die Toleranzentwicklung auch bei jedem Menschen anders ausgeprägt ist. Praktisch bedeutet dies, dass bei manchen Patienten einige Präparate weniger gut helfen oder mit starken Nebenwirkungen einhergehen können, während andere Patienten mit dem Präparat gut zurechtkommen. Auch der Bedarf an Opioiden kann deshalb individuell sehr verschieden sein.
Chronische Behandlung mit Opiaten führt zu einer schnellen Abnahme der µ-Opioidrezeptoraktivität. Die molekularen Ursachen dieser Opiattoleranz liegen in einer schnellen Phosphorylierung und Entkopplung des Rezeptors vom G-Protein (ein Protein in der Zytoplasmamembran) sowie einer nachfolgenden Rezeptorinternalisierung (Einschleusung ins Zytoplasma). Die internalisierten Rezeptoren können in den endocytotischen Vesikeln entweder degradiert oder nach Dephosphorylierung wieder in reaktiviertem Zustand in die Membran zurück transportiert werden.
Entscheidend ist, daß es zu einer Zunahme von "pathologischen" µ-Rezeptoren in der Membran kommt. Wahrscheinlich spielen dabei Synaptophysin und PhospholipaseD2 eine entscheidende Rolle indem sie an den µ-Rezeptor binden und dessen Struktur verändern. Diese "pathologischen" Rezeptoren binden Opioide und (körpereigene) Endorphine mit noch größerer Aktivität. Mehr Rezeptoren bedeuten aber auch, dass das Neurotransmittersystem aktiver ist, sodass die Gefühle von Entspannung und Wohlbefinden, die eine Droge vermittelt, stärker sind als bei Menschen mit weniger Rezeptoren. Das bildet schon psychologisch einen verstärkten Anreiz, die Droge ein weiteres Mal einzunehmen. Doch die erhöhte Anzahl von Rezeptoren trägt dazu auch physiologisch bei, indem sie nach dem Abklingen der Wirkung ein stärkeres Gefühl von Verlust, Frustration und Schmerz und damit ein verstärktes "Craving" (Verlangen) nach der Droge bewirkt. Diesem wiederum kann ein impulsiver Mensch weniger widerstehen - ein klassischer Teufelskreis.Weiterhin tritt die Droge in Konkurrenz zum natürlichen Endorphin, dessen Synthese im Gehirn weitgehend eingestellt wird.




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"Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken: Das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen: Das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung: Das ist der bitterste." (Konfuzius)
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marsupilami
Beitrag 21.3.2009, 14:54
Beitrag #3


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Danke für Deine Antwort. Ich hatte die Forensuche erst gar nicht genutzt, weil ich nicht
damit gerechnet hatte, dass das Thema hier schon diskutiert wurde...


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usr96675
Beitrag 19.6.2009, 14:27
Beitrag #4


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und regeniert sich das ganze auch? und wie, wie lang?


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Fern-Ost
Beitrag 20.6.2009, 14:16
Beitrag #5


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ZITAT(kuuhkuuh @ 19.6.2009, 22:27) *
und regeniert sich das ganze auch? und wie, wie lang?


Das ist eben eine Streitfrage!
Einerseits stabilisiert sich das ganze und baut auch ab
aber es bleiben immer noch aktive Rezeptoren zurueck die nur eines "Kindling Effekts" (siehe scroogle) benoetigen
so das das gesamte Suchtprogramm erneut gestartet wird!


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usr96675
Beitrag 20.6.2009, 19:30
Beitrag #6


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und die könne untersheiden zwischen endorphinen und "exor"-phinen? (e.g. opiate/opioide, kratom, mohn kuchen und gibt ja sonst noch ne menge anderer nicht-opioid substanzen die darauf wirken) dann wär/ist man ja quasi auf ewig verdammt?!

genauere infos dazu wären sehr interessant..
das steht doch dann sicherlich auch in zusammenhang mit bleibener leichter angst (anxiety) und depressiven verstimmungen, auch lange nach entzug ?!


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Fern-Ost
Beitrag 21.6.2009, 15:31
Beitrag #7


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ZITAT(kuuhkuuh @ 21.6.2009, 03:30) *
und die könne untersheiden zwischen endorphinen und "exor"-phinen? (e.g. opiate/opioide, kratom, mohn kuchen und gibt ja sonst noch ne menge anderer nicht-opioid substanzen die darauf wirken) dann wär/ist man ja quasi auf ewig verdammt?!


Hast Du den richtigen Thread schon gelesen?
Degeneration

Manche behaupten das diese "Opiat-Matritze" bestehen bleibt,
andere verneinen das,
kurz gesagt es herrscht uneinigkeit noplan.gif

Ich halte es fuer moeglich das es eine totale Heilung der Rezeptoren gibt,
das Program aber welches die Rezeptoren umgestaltet/ bzw. degeneriert bleibt erhalten.
"Wenn es denn eine Degeneration wirklich gibt"!

Ich hoffe das ein paar der Maenner vom Fach mal wieder dazu etwas schreiben
denn fuer mich als "Handwerker" ist das immer leicht misverstaendlich blacklol.gif

Der Beitrag wurde von Fern-Ost bearbeitet: 21.6.2009, 15:37


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Vereinfachte Darstellung Aktuelles Datum: 15.12.2017 - 05:11