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ca. 5 1/2 Jahre Tilidin... danach kalter Entzug
Pollen181
Beitrag 4.5.2007, 18:03
Beitrag #1


newbie


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Hallo an alle!

Das ist mein erster Beitrag in diesem Forum...
Schön das es ein solches Forum gibt! Lese seit ein paar Tagen mit und finde es sehr interessant was hier geschrieben wird..

Ich stelle mich mal kurz vor und meine bisherige Drogenlaufbahn.

Bin mittlerweile 24Jahre jung und im moment zu 90% clean..die restlichen 10% sind meine bisherigen kleinen Rückfälle...Ich bin mir sicher das dieses Zeugs (Tilidin) mich noch eine ganze Weile begleiten wird, wenn nicht sogar mein Leben lang. Ich war ca. 6mon. bei einem Arzt mit Psychologischer Zusatzausbildung, also nichts halbes und nichts ganzes. Er hat mich anfangs alle 14tage sehen wollen um zu sprechen, wobei eigentlich nur er geredet hat und ich zu hörte!


Mit 17 Jahre habe ich meine MAndeln raus Operiert bekommen...danach hatte ich richtige Schmerzen! Mein Vater hatte damals für seine Bandscheibe Tilidin bekommen damit seine Schmerzen aushaltbar waren. Nachdem ich also aus dem Krankenhaus entlassen wurde hat mein Vater mir Tilidin gegen die Schmerzen gegeben..das war wohl mein erstes richtiges "auf Tilidin drauf sein"! Ich habe mich sehr gut gefühlt und war total euphorisch, ich hatte Rededrang usw. was alles dazu gehört!
Naja er hatte 100ml davon..die waren dann 2Monate später leer,weil ich sie alle heimlich genommen hatte!Morgens bevor ich in die Schule gegangen bin und Nachmittags nochmal...das reichte mir früher..als die 100ml leer waren kam ich nicht mehr an Tilidin..Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern das ich einen Entzug durchgemacht habe, ich weiss aber das ich Tierischen Durchfall hatte, den ich eigentlich schon immer hatte. Habe in der Zeit viel gekifft, aber nie irgentwelche anderen Drogen zu mir genommen.

Mit 18 Jahren habe ich Zivi im Krankenhaus gemacht. Folge ich habe Tilidin auf der Station entdeckt und es mal wieder probiert. Später habe ich dann einen connection im Internet gefunden wo ich für 120eu 100ml tilidin kaufen konnte. So bin ich dann an Tilidin gekommen. Anfangs hat eine N3 Packung 1Monat gereicht..aber das wurde kontinuierlich weniger..nach ca. einem Jahr Abhängigkeit haben 100ml nur noch 2 Wochen gereicht! Nach 3 Jahren haben 100ml nur noch ca. 1Woche gereicht und später dann nur noch 3-5Tage..Ich habe Tilidin eigentlich alle 30-60min genommen..Tropfen habe ich später garnicht mehr gezählt..

Ihr könnt euch vorstellen wie sehr das ins Geld geht..und ich hatte nicht viel..habe meine Eltern beklaut und meine damalige Freundin angelogen...Irgentwann stand ich alle 2Wochen für paar Tage auf Entzug.. Schmerzen in den Beinen, Antriebslosigkeit, kein Schlaf, Kopfschmerzen, Durchfall usw.

Ich habe besitmmt 5mal in der Zeit versucht damit aufzuhören. Habe es nie länger als einen Monat durchgehalten! Die versuchung war einfach zu groß!
Habe dann irgentwann gedacht das kann es nicht sein, so willst du nicht Leben! Habe dann einen kalten Entzug gemacht und nach 2 Monaten bin ich in Therapie gegangen, sofern man das so nennen kann.


Mittlerweile bin ich sozusagen Clean..nehme im moment keine Opioide zu mir..bin jetzt seit ca. 8monaten "Clean". In den 8Monaten habe ich 3mal einen Rückfall bekommen. Habe dann ca. 1Woche Tilidin genommen..danach wieder einen Entzug!Der Arzt hat mir amitriptylin verschrieben! Davon habe ich 25mg nehmen dürfen, damit ich besser schlafen kann(hat mir aber gar nichts gebracht). FRAGE: Was haltet ihr von der Dosierung?und überhaupt von diesem Medikament?

Im moment habe ich wieder das verlangen nach Tilidin..es ist sehr schwer mir es nicht zu besorgen!Ich habe mir überlegt nur 10ml oder so zu holen, damit ich garnicht erst wieder Wochenlang was davon habe..ich denke das meine Toleranz schon sehr gesunken ist..Das Problem ist nur meine Disziplin.
Wenn ich es habe wird es auch leer gemacht, meistens ganz ganz schnell...
Ich denke mein Verlangen kommt daher das ich meine Ausbildung mache und an den Wochenenden noch arbeiten gehe, d.h. so gut wie keine ruhe und ausgepowert(übelst anstrengend). Es kommen dann schnell die gedanken "ein paar Tropfen Tilidin und dir geht es gut". Es wird sowieso darauf hinauslaufen das ich es mir besorge...

Naja das wars erst mal von mir...


greetz Pollen

Der Beitrag wurde von Pollen181 bearbeitet: 4.5.2007, 18:04
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Pollen181
Beitrag 4.5.2007, 18:33
Beitrag #2


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Hi!

Also das 120eu zu teuer sind ist mir schon klar..nur was machst du wenn du süchtig bist?
Ich bin durch das Tilidin halbwegs "normal" und brauchte es..im moment geht es!
Das Verlangen danach ist halt noch sehr groß..
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Sertürner
Beitrag 4.5.2007, 18:44
Beitrag #3


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Also ich finde es nicht schlimm opioidsüchig zu sein, so lange man genug Stoff hat. Gesundheitsschädlich ist es auch kaum (schädigt die Organe nicht). Wenn du natürlich auch ohne zurechtkommst ist es natürlich besser abstinent zu sein, schließlich turnt es nach ner Zeit auch nicht mehr so toll, und du hast mehr Geld.

Der Beitrag wurde von Fentanyl bearbeitet: 4.5.2007, 19:57


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Numorphan für alle!
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Tilidin N
Beitrag 4.5.2007, 19:43
Beitrag #4


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Tilidin Lösung 100ml N3 kosten in der Apo 34,40€


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Das Bewusstsein ist das größte Geschenk des Schöpfers an die Menschen, dass wir seiner Schöpfung bewusst werden und nicht blind durch’s Paradies gehen.

(A. Hofmann)
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Papaveron
Beitrag 5.5.2007, 10:48
Beitrag #5


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Hi, Pollen181!

Zunächst erntest du meinen Respekt für diese relativ lange Zeit deiner Abstinenz!
Es wäre doch aber sehr bedauerlich, wenn du wieder dem selben Konsummuster
verfällst, nach 8 Monaten! Und das geht bekanntlich sehr schnell.

Zu deiner Frage: Amitriptylin hat mir bei Schlafstörungen auch nicht geholfen,
obschon es oft als Schlafmittel (Off-Label-Use) verschrieben wird. Zur kurzfristigen
Behandlung von Entzugserscheinungen find ich es, zumindest was mich anbelangt,
auch sehr untauglich.
Ich wünsche dir jedenfalls viel Durchhaltevermögen!

Gruß

Papaveron

PS: Die 10 ml werden's nicht bringen, die sind doch im nu wieder weg. narf.gif
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null_zero
Beitrag 5.5.2007, 12:47
Beitrag #6


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ZITAT
Habe dann irgentwann gedacht das kann es nicht sein, so willst du nicht Leben! Habe dann einen kalten Entzug gemacht und nach 2 Monaten bin ich in Therapie gegangen, sofern man das so nennen kann.


erzähl doch mal genauer, wie und wo du therapie gemacht hast.
ansonsten finde auch ich, dass du schon viel geschafft hast, 8 monate clean zu sein.
natürlich hält eine psychische sucht sehr lange an, du musst nur lernen damit umzugehen, irgendwann
wird die stimme in deinem kopf, welche dir sagt ("nur ein paar tropfen") leiser.......

nur pass auf dich auf, mache keine konsumausnahmen, sonst bist du schneller wieder drauf, als
es dir lieb wäre. auch nicht "nur einmal".
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Pollen181
Beitrag 5.5.2007, 13:21
Beitrag #7


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ZITAT
erzähl doch mal genauer, wie und wo du therapie gemacht hast.



Also der Arzt war ein Allgemeinmediziner, der irgentwie ein Zusatz hatte..Psychotherapeut..(bzw. das er Psychotherapeutisch behandeln darf) weiss garnicht genau wie das genau heisst..
Habe da angerufen und gefragt ob der Arzt auch Suchterkrankungen behandelt! Ich dachte juhuu endlich habe ich glück..ein Arzt der Suchterkrankungen behandelt und er hat sogar schnell einen Termin frei..
Nach 2Wochen hatte ich den sehnlichst erwarteteten Termin mit dem Arzt..Beim ersten Termin habe ich ihm halt erzählt was so los mit mir ist..Der Arzt wusste nicht mal das man sich im I-Net Tilidin besorgen kann..war für ihn totales NEuland (kam mir schon sehr komisch vor)!
Naja der Arzt wollte mich dann mit zur Uni nehmen(er war Lernbeauftragter an einer Uni Düsseldorf) damit ich seinen Schülern/Studenten meine Geschichte erzähle usw. das habe ich abgelehnt, weil ich sowieso total labil in dieser Zeit war.

Später gestalteten sich die Termine wie folgt:

1.Begrüßung
2.Kurz erzählen ob es was neues gibt
3.Arzt erzählt von sich und seinem Leben (von wegen ich gehe jetzt immer Joggen...meine Tochter fährt total schrecklich Auto usw.)
4.Nach 20min war das Gespräch zuende und ich sollte gehen




Einmal hat er mich nach 10min entlassen, weil ich paar Tage vorher einen Rückfall hatte und er sauer auf mich war das ich nicht widerstehen konnte. freak.gif
Das war auch mein vorletzter Termin bei ihm..habe die amitriptylin selber abgesetzt..und im moment bin ich ganz clean, abgesehen von Novamin Tabletten die ich manchmal nehme..


greetz
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Beitrag 5.5.2007, 18:28
Beitrag #8





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Bewertung: < 0 ( ) 2 >


ein hoch auf die dt medizin! sad.gif

habe jetzt keine zeit, werde dir noch antworten, wovon du dir nix erwarten solltest, meine erfahrung mit "sucht"medizinern sind nämlich auch die, dass die einen noch größeren dachschaden hatten, als ich....was btw in dem ganzem therapie- und sozialen hilfssektor nicht ungewöhnlich ist.

bis später! smile.gif

hux
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Rumpeltier
Beitrag 5.5.2007, 23:56
Beitrag #9


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HI!

also ich nehme das amitiptylin auch zum pennen, habe auch mit 25 mg angefangen dann 50mg und jetzt bin ich auf 75 mg und kann immer noch nich pennen^^
naja wenn das zeuch dann mal wieder alle ist gehe ich wieder zum arzt und verlange was staerkeres weils das ja irgendwie nich sein kann!

zum entzug kann ich dir leider(oder besser zum Glueck!) nix sagen. Hatte bis jetzt nur eine Opioid erfahrung und bin natuerlich dementsprechend nicht suechtig, obwohl ich echt ganz gerne nochmal moechte(und auch werde aber mal sehn wann ich wieder an was rankomme^^)

und zu dem artzt: wasn das fuern ARSCHLOCH(sorry fuer den ton aber da faellt mir nix anderes passendes ein!)? Sauer sein weil du rueckfaellig wirst? Sucht ist ne anerkannte Krankheit! Wenn ich also bei ner Erkaeltung rueckfaellig werde ist das mehr oder weniger das gleiche! Da kommt mir die Galle hoch wenn ich sowas hoere! Der soll dir helfen und dich nicht noch runtermachen! Und sowas nennt sich Arzt!!!

naja bis denne

Der Beitrag wurde von Rumpeltier bearbeitet: 5.5.2007, 23:57
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ROFFEL
Beitrag 6.5.2007, 17:42
Beitrag #10


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ZITAT(Pollen181 @ 5.5.2007, 14:21) *
Also der Arzt war ein Allgemeinmediziner, der irgentwie ein Zusatz hatte..Psychotherapeut..(bzw. das er Psychotherapeutisch behandeln darf) weiss garnicht genau wie das genau heisst..


Später gestalteten sich die Termine wie folgt:

1.Begrüßung
2.Kurz erzählen ob es was neues gibt
3.Arzt erzählt von sich und seinem Leben (von wegen ich gehe jetzt immer Joggen...meine Tochter fährt total schrecklich Auto usw.)
4.Nach 20min war das Gespräch zuende und ich sollte gehen




Einmal hat er mich nach 10min entlassen, weil ich paar Tage vorher einen Rückfall hatte und er sauer auf mich war das ich nicht widerstehen konnte. freak.gif
Das war auch mein vorletzter Termin bei ihm..habe die amitriptylin selber abgesetzt..und im moment bin ich ganz clean, abgesehen von Novamin Tabletten die ich manchmal nehme..


greetz




Hi Pollen181 !!


Ersteinmal Glückwunsch dass du es so lange geschafft hast clean zu sein.

Ich denke bei jedem cleanen kommt hin und wieder das Verlangen hoch sich wieder was zu holen, aber jedes Mal bei dem du es schaffst es NICHT zu tun wirst du wieder stärker.
Lahmer Spruch, aber es entspricht doch der Wahrheit smile.gif
Und ich denke das sollte dir Antrieb geben.
Letztlich sind 120€ auch ne Menge Schotter die man erstmal so haben muss, auf die Dauer.

Versuche dich halt abzulenken mit Hobbies, Sport (falls du magst) und anderen Dingen.
Da muss wohl jeder so "seine Sache" finden.




Zu dem Allgemeinmediziner: freak.gif
Du sprichst mir aus der Seele, ich habe eigentlich fast identische Erfahrungen gemacht.
Meiner war wie deiner ein Allgemeinmediziner mit Fortbildung zum "Therapeuten" --

Der hat mir auch NULL zugehört und mich mit irgendeinem 0815-gesabbel zugelabert ask.gif war absolute Zeitverschwendung.
Ich war echt froh als ich nach dem bla bla bla wieder raus durfte.
Von seinen "Tipps" habe ich keinen einzigen behalten blacklol.gif -- das war echt unmöglich.


Jedenfalls, Respekt dass du hingegangen bist.
Das hätte ich niemals geschafft...ich glaube ich wär einfach nicht mehr gekommen.
Wie lange warst du genau dort?

Sowieso ist das einer der ätzendesten Dinge die ich so kenne: Mit Möchtegerntherapeuten / Psychologen über Sucht sprechen noplan.gif -- da haben oben genannte leider einfach keine Ahnung von.
Man kann nicht denken einen Morphinisten zu kennen nur weil man was gelesen hat.
Da rutschen viele in diesem Berufsstand in eine Art Überheblichkeit ab.

Ich glaube für einen guten Psychologen auf dem Thema Sucht muss man wahrscheinlich meistens sehr lange suchen... : /


Jedenfalls, halt die Ohren steif

MfG
Roffel
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Sick-Ed
Beitrag 7.5.2007, 13:07
Beitrag #11


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Von mir auch ein Glückwunsch zum clean sein und alles Beste das du es durchhälst !

Kann mich Pollen, Roffel, Hux nur anschliessen mit ihren Erfahrungen mit sog. Therapeuten, nach mehreren Psychotherapie-"Versuchen" und "Erkenntnissen" bei div. Allgemeinärzten hat mich fast der gute Glaube verlassen.
Ich denke bis man einen für sich passenden Therapeuten gefunden hat muss ne Menge Wasser den Fluss hinunter fliessen.


--------------------
Das ist die Selbsthypnose der Psychose...
Selbst für Opium-Opi is Sufentanil zuviel !
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coolozz
Beitrag 7.5.2007, 13:13
Beitrag #12


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Wenn man überhaupt einen findet.In unserer Umgebung sind alle Plätze belegt und der Hausarzt darf nicht.
Wenn de aber beim Dealen erwischt wirst,sind plötzlich 15 Beamte da.Verkehrte Welt.


--------------------
Geld gehört unter das BtmG gestellt,die ganze Menschheit ist davon abhängig.
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mr. mojo risin
Beitrag 7.5.2007, 20:34
Beitrag #13


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ZITAT(Huxley @ 5.5.2007, 19:28) *
ein hoch auf die dt medizin! sad.gif

habe jetzt keine zeit, werde dir noch antworten, wovon du dir nix erwarten solltest, meine erfahrung mit "sucht"medizinern sind nämlich auch die, dass die einen noch größeren dachschaden hatten, als ich....was btw in dem ganzem therapie- und sozialen hilfssektor nicht ungewöhnlich ist.

bis später! smile.gif

hux


ich verstehe dich schon, aber wegen eines arztes, der offensichtlich selbst mehr probleme zu bewältigen hat, als ihm seine patienten täglich auftischen, die "deutsche medizin" ganzheitlich abzuschreiben finde ich doch etwas übertrieben/polemisch.

ich habe selber nicht viel erfahrung mit verschiedenen ärzten, bin nicht ("offiziell" blacklol.gif ) suchtkrank und auch nicht in behandlung. aber ich lese viel (teileweise knallharte) kritik an ärzten, dem "system" usw. ich glaube, dass die meisten dieser zunft durchaus ambitionen hegen, menschen zu helfen, neues dazuzulernen etc.
woran es allerdings hapert, ist meines erachtens die weitsicht. wenn jemand seine kindheit in einem maximal behüteten elternhaus verbracht hat, selbstverständlich sein abitur mit einem 1,6er schnitt gemacht hat, ohne weiteres einen studienplatz für medizin erhalten hat und sich schlussendlich "arzt" nennen darf, was will man erwarten? ob diese person will oder nicht, jemand mit suchtproblemen steht als junkie vor ihm. unabhängig von glaubensmustern, wertevorstellungen etc. steht dieser jemand ein paar stufen unter ihm.
versucht diese person auch noch, den *arzt* durch erfahrungen oder schlicht fakten (die nicht aus dem lehrbuch stammen) aufzuklären, so ist die aussichtslosigkeit dieses unterfangens gewissermaßen vorprogrammiert.

ich habe sowohl hier als auch im df oder anderswo diverse stories gelesen, in denen ärzte unverantwortlich, dumm, haarsträubend ignorant gehandelt haben, nur weil sie einen "suchtkranken" als patienten vor sich hatten. versteht mich nicht falsch: ich kann mir vorstellen, dass gerade unter ärzten bzw ärztlichem personal (habe selbst 9 monate zivildienst im bereich krankentransport/rettungsdienst geleistet) vorurteile gegenüber drogenkonsumenten bestehen. diese vorurteile ziehen sich aber bekanntlich durch alle bevölkerungsschichten. ich will daher keinesfalls "die ärzteschaft an sich" freak.gif in schutz nehmen.

auch wenn der gesunde menschenverstand dazu anregen sollte, gerade in einer verantwortungsvollen position, in der ein arzt sich nun mal befindet, die dinge diffeenzierter zu sehen: es besteht eben leider ein gewaltiger unterschied zwischen theorie und praxis.

ich habe für dieses grundsätzliche problem nur einen einzigen lösungsvorschlag: zeigt EUREM arzt, dass sämtliche möglichen vorurteile unbegründet sind. bleibt sachlich, beherrscht eine gewisse diskussionskultur, benehmt euch zwinker.gif.
ich wette, der arzt wird euch sehr bald mit anderen augen sehen.

ähm, ja. ziemlich am thema vorbei und dank massig amphetamin in meiner blutbahn recht umfangreich. aber zu dem thema musste ich mich mal auslassen zwinker.gif


edit: huxley, zu dem einen spruch fällt mir noch was ein... das mit dem "noch größeren dachschaden". als ich mal beim zahnarzt saß und ihm während des üblichen smalltalks erzählte, dass mich psychologie als studienfach interessiere, erwiderte dieser trocken: "60% aller psychologie-studenten haben selber 'nen knacks und hoffen, sich selbst heilen zu können."
ich fühlte mich ein stück weit ertappt blacklol.gif

Der Beitrag wurde von mr. mojo risin bearbeitet: 7.5.2007, 20:39
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Practicus
Beitrag 7.5.2007, 23:22
Beitrag #14


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@ mr.mojo

da muss ich als arzt doch mal was grade rücken....

die meisten ärzte erleben ja suchtkranke nicht als patienten, sondern als menschen, die sich verordnungen erschleichen wollen, jede gelegenheit ausnutzen, rezepte zu entwenden, auch mal nachts die praxisräume besuchen... und beim engagierten behandler das gefühl hinterlassen, betrogen und benutzt worden zu sein.

wer sich als arzt auf süchtige einlässt, bekommt ganz schnell ganz innigen kontakt zu gesundheitsämtern, prüfungsausschüssen, amtsapothekern, polizei und staatsanwälten und disziplinarausschüssen der ärztekammern... das schreckt doch deutlich ab...

wer sich professionell mit suchtmedizin abgibt, hat ratz-fatz den ruf des "drogenarztes" weg und wird von potentiellen klienten aller schattierungen überschwemmt, die er dann mit einem sagenhaften budget von 10 € pro monat behandeln soll - nur für die substitution gibt es extra geld, dafür aber einen riesenhaufen bürokratie, die bei 50 substis eine halbe helferinnenstelle kostet...

was die psychotherapie angeht: da geht nur was, wenn der konsum nicht thema der sitzungen ist! sonst wird der therapeut wider willen zum co-abhängigen gemacht, dem die verantwortung für den konsum oder die abstinenz oder deren scheitern aufgeladen wird!

die psychotherapie kann deine sozialkompetenz und deine konfliktbewältigungsmethoden und deine selbstwahrnehmung verbessern, dir also zeigen, wie du besser mit dir umgehen lernen kannst - aber niemals deinen konsum kontrollieren!

eine psychotherapie kann letztlich den konsum überflüssig machen, weil du andere wege kennenlernst, dir etwas gutes zu tun.

deine konsumgewohnheiten kannst du nur selber verändern, kein therapeut!

gruß

prax
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mr. mojo risin
Beitrag 8.5.2007, 00:38
Beitrag #15


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hey practicus!

ich wollte mit meinem beitrag keineswegs "die ärzteschaft" (sprich, alle ärzte auf einem haufen!? oder so ^^) in schutz nehmen noch angreifen.
die eigentliche intention war dennoch eher eine stellungnahme zugunsten vieler ärzte! denn ich kann mir gut vorstellen, dass die tätigkeit, süchtige zu behandeln, niemals einfach ist. und wenn es sich darauf beschränkt, der person 8ml methadon aufzuschreiben. das sollen alles nur (vereinfachte) beispiele sein, die natürlich auch mehr oder weniger in polemik ausarten, das habe ich beim überfliegen meines postings von vorhin deutlich gemerkt.

trotzdem: meine beobachtungen lassen mich zu dem ergebnis kommen, dass kein "ich!"-standpunkt rechthaben kann, nur ein "wir" kann erfolge hervorbringen d.gif. oh gott, ich klinge wie fern-ost smile.gif. kurz und bündig: komprmisse statt grabenkämpfe sind der einzige weg zu einem friedlichen miteinander.

ach so, noch etwas. ich selbst befinde mich nicht in behandlung. keine therapie, keine substi, nix. ich bin nach außen hin otto-normal-müller zwinker.gif. das ist auch oft vorteilhaft, so traurig es klingt. ich schätze, du sprichst mich direkt an, weil du auf mein posting antwortest - kein problem. wollte es nur erwähnt haben.

das system, nach dem "süchtige" in deutschland behandelt und substituiert werden, ist mir auch nicht in voller breite bekannt. dass ein immenser bürokratischer aufwand dahinter steckt, hätte ich mir natürlich vorstellen können... d.gif.

also nichts für ungut.

Der Beitrag wurde von mr. mojo risin bearbeitet: 8.5.2007, 00:48
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Beitrag 8.5.2007, 11:05
Beitrag #16





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wollte noch sagen, dass mein posting wohl zu verallgemeinernd rüberkam, ich bezog mich auf eigene erfahrungen und einzelbeobachtungen, die natürlich nicht allgemeinverbindlich sind.

auf keinen fall möchte ich alle suchtmediziner in ecke stellen.

sorry, wenn das so rüberkam!


greetz!

hux
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Vereinfachte Darstellung Aktuelles Datum: 20.9.2018 - 04:52